Wenig Bewegung zur Freigabe der Sporthallen

KWSp_Hallenfreigaben_2016-06-01Die Kölner Stadtverwaltung tut sich weiterhin schwer, Alternativen zur Flüchtlingsunterbringung bereitzustellen. Aktuell wurden insgesamt 12 Standorte für den temporären Wohnungsbau vorgestellt (7 für Leichtbauhallen, 5 für Containerbauten). Entgegen der Ankündigung aus dem Vorjahr bis zum heutigen Zeitpunkt wenigstens fünf Leichtbauhallen bezugsfertig zu haben, ist bis jetzt nur eine in Ostheim in Betrieb.

Nach wie vor sind 27 Sporthallen zur Unterbringung von aktuell rund 3.500 Flüchtlingen gesperrt. Nach wie vor gibt es keinen Zeitplan zur Rückführung dieser Hallen zu ihrem Zweckbetrieb. Auch bei der neuen Ankündigung bleibt die Stadtverwaltung einen Zeitplan schuldig. In der Kölnischen Rundschau vom 3. Juni heißt es:

„Einen positiven Ratsbeschluss vorausgesetzt, könnten die ersten Leichtbauhallen innerhalb von drei Monaten entstehen, schätzt die Verwaltung.“

KRS_turnhallen-entlasten_2016-06-03Der Ratsbeschluss bezieht sich auf eine Eingabe zur Ratssitzung am 28. Juni, wonach für die Begutachtung und Eignungsprüfung der vorgestellten Grundstücke 360.000 Euro bereit gestellt werden sollen. Vor diesem Hintergrund wirkt die Frist von drei Monaten bis zur Errichtung weiterer Leichtbauhallen unrealistisch.

Keine verlässliche Zeitplanung vorhanden

KStA_Umsetzung_2016-06-04Sobald eine Halle steht, muss sie zunächst eingerichtet werden. Falls dann in der Tat eine Sporthalle frei geräumt würde, müsste sie noch zurückgebaut und saniert werden, ehe darin wieder Sport getrieben werden kann. Vor diesem Hintergrund erscheint eine flächendeckende Räumung der belegten Sporthallen in Köln noch in diesem Jahr utopisch. Auch der Kölner Stadt-Anzeiger vom 4. Juni schreibt:

„Die Verwaltung verspricht für die Leichtbauhallen eine „schnellstmögliche Umsetzung“. Was das bedeutet, bleibt einmal mehr unklar.“

Der Kölner Wochenspiegel vom 1. Juni hatte erstmals die gesamte Prioritätenliste der Stadt für die Freigabe der Turnhalle veröffentlicht und dabei ebenfalls bemängelt, dass es dazu keine Zeitangaben gibt. Aktuell verhandelt die Stadt mit der Bezirksregierung über eine Reduzierung der Anzahl der wöchentlich aufzunehmenden Flüchtlinge von bisher 225 auf 150 pro Woche. Doch auch dann erscheint die Rückführung von Sporthallen zu ihrem Zweckbetrieb nur unter idealen Bedingungen realistisch. Auf den Fall, dass das Flüchtlingsabkommen mit Erdogan platzen sollte, scheint die Stadt Köln nicht vorbereitet zu sein.

Unabsehbare Folgeschäden für den Sport

Beim Flüchtlingsgipfel des Kölner Sports im Mai haben Vertreter des organisierten Sports der Stadt Köln deutlich gemacht, dass sie mit dieser Politik wesentliche Grundlagen der Integration in der Gesellschaft zerstört. Vereine leiden nicht nur wirtschaftlich unter ausfallenden Angeboten, mühsam aufgebaute Strukturen von Sportgruppen, viele davon mit Teilnehmern mit Migrationshintergrund, gehen auf Jahre hinaus kaputt.

Sport-ist-Wert_Logo

Das Vereinsbündnis „Sport ist Wert“ von Stadtsportbund Köln, Sportjugend Köln und zahlreichen Kölner Sportvereinen betont, dass der Sport in Köln willens und bereit ist, wichtige Integrationsarbeit angesichts der anhaltenden Aufnahme von Flüchtlingen zu leisten. „Wir sind die Experten, die Ihr benötigt“, so die Überzeugung. Doch wenn die Sportflächen fehlen, um die bisherigen Vereinsangebote aufrecht zu erhalten, dann ist es fast unmöglich, noch zusätzliche Integrationsarbeit zu leisten. Die Stadt Köln ist die einzige in ganz NRW, die nach wie vor viele Sporthallen zur Unterbringung von Flüchtlingen nutzt.

Unterstützung durch den Präsidenten des LSB NRW

Dies kritisiert auch der Präsident des Landessportbundes NRW, Walter Schneeloch, der auf Bitten des Vorsitzenden der DJK Wiking, Lars Görgens, ein Schreiben an Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker gerichtet hat. Darin heißt es:

„Leider steht Köln hinsichtlich der Zahl der belegten Hallen landesweit an der Spitze. Es ist den unmittelbar betroffenen Vereinen nicht begreiflich zu machen, warum das so sein muss. Kein anderer zivilgesellschaftlicher Bereich in Köln wird in dieser Situation so abgehängt wie der Vereinssport. (…)

Es ist nicht akzeptabel, wenn Kommunen die vermeintlich einfachste Lösung wählen, und ohne wirklich ernsthafte Prüfung in erster Linie auf Sporthallen zurückgreifen, wenn es um die Unterbringung von Flüchtlingen geht. Sie behandeln Sportvereine – und übrigens auch den Schulsport! – damit wie das letzte Rad am Wagen.

Das führt nicht nur dazu, dass diese keinen Beitrag mehr zu Integration leisten können. Es führt dazu, dass zivilgesellschaftliches Engagement von vielen tausend ehrenamtlich tätigen Menschen missachtet wird.“

Der ganze Brief von Walter Schneeloch steht hier, die aktuellen Presseberichte sind hier nachzulesen.

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